Endlich wieder drei Punkte und dazu die Ladehemmungen der letzten Wochen abgelegt - Trainer Dennis Strauß dürfte insgesamt zufrieden mit dem Auftritt seiner Elf beim 4:2-Auswärtserfolg im Derby beim TuS Lüdersfeld gewesen sein. Zuvor hatte der SVS viermal in Folge nicht gewinnen können. Vorige Woche setzte es im Derby gegen den Tabellenführer MTV Rehren A/R ein 0:2, die drei Spiele davor endeten jeweils 1:1.

Dass die Strauß-Elf den Knoten während des 90-minütigen Gastspiels auf der falschen Seite des Kanals unbedingt zum Platzen bringen wollte, war von Minute eins an spürbar. Auf dem kleinen Lüdersfelder Platz übernahm Schwarz-Gelb umgehend das Kommando und ging mit dem ersten vielversprechenden Angriff umgehend in Führung: Christopher Alder hatte seinen Gegenspieler auf der Grundlinie ausgespielt und dann auf Malte Aumann zurückgelegt, der eiskalt zum 1:0 vollstreckte. Die Gastgeber reklamierten vehement auf Abstoß - vergebens. Da waren noch keine 120 Sekunden auf der Uhr.

Zunächst blieb es auch bei der recht einseitigen Spielanlage, wobei das Zentrum eher gemieden wurde. Beide Mannschaften versuchten es vornehmlich mit Angriffen über die Außenbahnen, was für den TuS nach 25 Minuten zum etwas überraschenden Ausgleich führen sollte. Stoßstürmer Emrah Kilic wurde nach einem Einwurf nicht energisch genug attackiert, sodass sich der wuchtige Neuner drehen und in den Strafraum flanken konnte. Dort war die SVS-Defensive erstmalig nicht im Bilde, was Matthias Hartmann zu einem listigen Kopfballheber und dem damit einhergehenden Ausgleich einlud.

Strauß versuchte in der Folge sein Team weiter zu einem geordneten Spielaufbau zu animieren. Ausgesprochen gut funktionierten auch die zahlreichen Diagonalbälle von Innenverteidiger Leon Reuter aus der Kette heraus auf den linken Flügel. Zur erneuten Führung kam die Victoria allerdings durch einen Foulelfmeter an Tim Hensel. Der Gefoulte trat selbst an und mit etwas Zittern landete der Ball im rechten, unteren Eck. Keeper Manuel Bade war zwar noch dran, konnte Hensels sechstes Saisontor aber nicht verhindern.

Nach dem Seitenwechsel hatte die Gästeführung nur gut zehn Minuten bestand, denn auch den Hausherren wurde in Person von Kilic - im dritten oder vierten Versuch - ein Foulelfmeter zugesprochen. Der Schiedsrichter verlegte den vermeintlichen Tatort jedoch zunächst auf außerhalb, erst nach Beratung mit seinem Assistenten zeigte der Unparteiische doch noch auf den Punkt. Ali Tourè verwandelte extremst abgezockt zum erneuten Ausgleich.

Die letzte halbe Stunde ließ die Stimmung dann so richtig auf Derby-Temperatur ansteigen. Beide Mannschaften teilten nicht nur Nettigkeiten aus und auch die Schiedsrichter mussten sich einiges anhören, so entschieden sie beim vermeintlichen 3:2 durch Yannik Thake auf Abseits, was einige Zuschauer dazu brachte, den Videobeweis einzufordern. Schließlich wurde die Partie in voller Länger von einem Anhänger aus mitgefilmt.

In der Hitze dieses Nachbarschaftsduells behielt die jüngere der beiden Mannschaften jedoch einen kühlen Kopf und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. In der 72. Minuten zog Alder einen Freistoß aus halbrechter Position frech auf die Torwartecke und erwischte Bade damit völlig auf dem falschen Fuß. Zum dritten Mal an diesem Tag ging der SVS in Führung, und sollte sie auch nicht mehr abgeben. Stattdessen machte Thake mit seinem Treffer zum 4:2, nach toller Kombination über den linken Flügel, nur sechs Minuten später alles klar.

Mit diesem wichtigen Dreier hält unsere Erste die Verfolger auf Distanz und rückt zudem näher an das Spitzenduo heran, welches sich zeitgleich auf dem Rehrener Sportplatz mit 1:1 trennte. Ein Ergebnis, von dem man im Kanalstadion erstmal genug gesehen hat.

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Bernd Bosselmann