Besucher des Kanalstadions können sich momentan definitiv nicht über fehlende Unterhaltung beschweren. Fielen am Sonntag gegen Algesdorf noch acht Tore, waren es am gestrigen Abend sogar neun, glücklicherweise wieder zugunsten des SVS verteilt. Am Ende von 90 kurzweiligen Minuten Kreisligafußball stand ein 6:3 über Aufsteiger TuS Germania Apelern.
Dabei musste das Strauß-Team zunächst einmal den Ausfall von Toptorjäger Marcel Richter (vier Saisontore) kompensieren, der aufgrund von leichten Kniebeschwerden passen musste. Dies gelang der Mannschaft jedoch ausgezeichnet, viele Spieler waren in der Lage Torgefahr zu entwickeln und besonders in der ersten halben Stunde lief offensiv viel zusammen.
Auch wenn man dieses Mal ein paar Sekunden länger auf das 1:0 der Hausherren warten musste. „Erst“ in der sechsten Spielminute erlief der quirlige Lukas Fischbeck einen Zuckerpass von Christopher Alder, umspielte den herausstürzenden Sebastian Ziebell im Gästetor und schob zum 1:0 ins leere Gehäuse ein.
Die Victoria erhöhte nach dem Führungstreffer noch den Druck, hätte nur wenige Augenblicke später durch Yannik Thakes Abseitstor und Christopher Alder, dessen Versuch nur am Innenpfosten landete, beinahe auf 2:0 erhöht. Stattdessen fing man sich den Ausgleich. Einen Schlenzer von Belmin Bikic guckte SVS-Torhüter Marius Pietzonka noch neben das Tor, beim 20-Meter-Geschoss von Nico Killisch war er endgültig machtlos. Vor dem Sechzehner fehlt dem Team zuweilen der direkte Zugriff auf die Gegenspieler.
Jedoch erwies sich die Hintermannschaft der Gäste als so wacklig, wie im Vorfeld vermutet (fünf Gegentore in zwei Spielen), sodass der SVS bereits in der 18. Minute wieder in Führung gehen konnte. Torschütze war Innenverteidiger Niklas Adam, dessen Auftauchen im gegnerischen Fünfer genau so überraschend erfolgte, wie sein Startelfdebüt in dieser Saison: „Ich dachte eigentlich, dass ich nicht einmal auf der Bank sitze und stattdessen bei der Zweiten mittrainiere“. So kann man sich irren.
Vor allem Fischbeck stellte die Defensivabteilung des Liga-Neulings in den folgenden Minuten vor arge Schwierigkeiten. Bekam Ziebell nach 25 Minuten noch gerade so im 1-gegen-1 mit einem Reflex die Hand an den Ball, war er zehn Minuten später chancenlos. Außenverteidiger Bastian Heine verzögerte geschickt das Abspiel, bis Fischbeck in die Schnittstelle gelaufen war, der Rest war Formsache.
Sekunden später tauchte auch Thake frei vor dem Tor auf, doch wie schon Gerd Müller wusste: „Wenn's denkst, ist's eh zu spät". So zögerte der ansonsten erneut stark aufspielende 19-Jährige einen Moment zu lang, sodass Slavko Pavlo den Ball in höchster Not von der Linie kratzen konnte.
Anstelle des vorentscheidenden 4:1 fiel auf der anderen Seite erneut der vollkommen überflüssige, weil vermeidbare Anschlusstreffer. Im Spielaufbau leistete sich das Zentrum einen schmerzhaften Ballverlust, der die Abwehrreihe völlig entblößt zurückließ. Apelern spielte die 3-gegen-1-Situation souverän aus, Belmin Bikic musste nur noch einschieben. Die Strauß-Elf erfuhr nun, was es bedeutet, einen am Boden liegenden Gegner aufzubauen. Das 3:2 beflügelte die Germanen spürbar, was noch einen Lattenkreuzkracher von Simon Thürnau zur Folge hatte. Mit etwas Glück wurde der knappe Vorsprung aber in die Pause gerettet.
Doch auch nach der Halbzeit benötigte das Team einige Minuten, um das Gegentor aus dem Klamotten zu schütteln. Wieder war es Lukas Fischbeck, der seinen Gegenspieler übertölpelte. Ein Beinschuss im Sechzehner, ein Griff ans Trikot: Glasklarer Strafstoß. Kapitän Tim Hensel übernahm Verantwortung und verwandelte sicher zum 4:2 für den Gastgeber. Übrigens bereits das dritte Heimspiel in Folge, in dem der Mann mit der Rückennummer 10 eingenetzt hat.
Die Halbzeitansprache von Trainer Dennis Strauß ist nicht überliefert, doch offensichtlich hatten die Schwarz-Gelben ihre Lehren aus der ersten Halbzeit gezogen. Nur drei Zeigerumdrehungen später schlug Hensel eine Ecke auf den kurzen Pfosten, wo der eingelaufene Leander Raabe gedankenschnell sein Bein zuerst an den Ball bekam und auf 5:2 stellte.
Das fünfte Tor zog den Gästen sichtbar den Stecker, ein richtiges Aufbäumen war nicht mehr zu erkennen. Zumal die drei Topspieler Syla, Maione und Mustafa allesamt nicht mit an den Kanal gereist waren. Der SVS behielt nun die Zügel in der Hand und macht sogar noch das halbe Dutzend voll. Einen langen Ball aus dem Mittelfeld legt Fischbeck per Kopf ideal in den Lauf des eingewechselten Laurent Grobis, der mit einem schnellen Haken seinen Gegenspieler in Richtung Bratwurstbude schickte, dann noch abgebrüht verzögerte, bis der Torhüter auf dem Hosenboden saß, und erst dann überlegt abschloss. Ein Tor, dass bei zahlreichen Zuschauern Erinnerungen an einen aktuellen Bayern-Profi niederländischer Herkunft wachzurufen schien, dessen größter Gegner die Schwerkraft ist.
Den Schlusspunkt unter diese Partie, und das dürfte manchen Akteur zurecht gewurmt haben, setzten die in Grün spielenden Gäste. Eine präzise Flanke des reaktivierten Lucas Hecht wuchtete der 18-jährige Jannik Koller mit dem Kopf an Pietzonka vorbei in die Maschen. Das neunte Tor an diesem Abend markierte auch den Endstand von 6:3 für die Gelbhemden, womit man sich aufgrund der mehr erzielten Tore (14 in drei Spielen) vor der punktgleichen Konkurrenz aus Hevesen an die Tabellenspitze setzt.
Abschließend möchten wir an dieser Stelle noch der Zuschauerin gute Besserung wünschen, die im ersten Durchgang von einem ins Seitenaus geklärten Ball im Gesicht getroffen wurde und eine blutende Wunde davongetragen hat! (OD)

Wir vermissen Dich

Bernd Bosselmann