Im dritten Anlauf soll endlich der Klassenerhalt herausspringen / Nico Gutzeit verstärkt den SVS-Angriff

Für die Kreisliga zu stark, für die Bezirksliga zu schwach – der SV Sachsenhagen ist Schaumburgs Fahrstuhlmannschaft. Der diesjährige Aufstieg ist der dritte innerhalb weniger Jahre. Bislang ging es jedes Mal direkt wieder nach unten. Doch es gibt Anzeichen, dass es in der kommenden Saison vielleicht anders läuft.

Sachsenhagens Kader ist zwar klein, aber qualitativ hochwertig und mittlerweile auch erfahrener. Außerdem kam mit Nico Gutzeit vom VfL Bückeburg ein Juwel für den Angriff hinzu. Die Nachwuchshoffnung konnte sich beim Oberligisten aufgrund fehlender Trainingsmöglichkeiten nicht durchsetzten, kehrte deshalb zu seinem Heimatverein zurück. Gutzeit wohnt nur wenige Meter vom Sportplatz entfernt und kann nun trotz des späten Feierabends bei den Übungseinheiten dabei sein.

Die Meisterschaft des SV Sachsenhagen war ein insgesamt glattes Projekt. Der Absteiger ging als Favorit in die Kreisligasaison, machte den Titel bereits am vorletzten Spieltag perfekt und ging am Ende mit fünf Punkten Vorsprung ins Ziel. Doch es gab zwei Schönheitsfehler: Nach der Winterpause durchlebte Sachsenhagen eine Krise. Schließlich kam es im Frühjahr nach vierjähriger Amtszeit sogar zur Trennung von Trainer Jürgen Hensel, der sich offenbar verbraucht hatte. Co-Trainer Marcel Fritsche stieg ein. Nach nur drei Spieltagen unter seiner Führung wurde vereinbart, dass er weitermacht.

Der neue Trainer grübelt derzeit darüber nach, wie er es schaffen kann, diesmal die Klasse zu halten. Dabei kommt ihm zugute, dass er im Abstiegsjahr vor zwei Jahren teilweise noch selbst mitspielte und weiß, welche Fehler der SV Sachsenhagen seinerzeit machte: „Wir spielten nicht ruhig genug und haben viele Spiele in den letzten Minuten verloren.“ Weil Gegentore in der Schlussphase häufig auch ein Indiz für mangelnde Kondition und Konzentration sind, bereitet Fritsche seine Mannschaft derzeit akribisch auf die Bezirksligasaison vor. „An der Kraft wird es nicht liegen“, versichert er. Die Trainingsbeteiligung sei super, die Vorfreude riesengroß.

Allerdings läuft Fritsche auch keine Gefahr, die personelle Übersicht zu verlieren. Denn sein Kader ist so klein, dass Verletzungsprobleme den Aufsteiger auch diesmal empfindlich und vielleicht sogar entscheidend treffen könnten, besonders im Angriff, dem Kernstück des Spiels. Mit dem treffsicheren Ingo Poschlod, dem hoch talentierten Tim Hensel und dem beweglichen Philipp Winkler war Sachsenhagen dort bereits jetzt überaus stark besetzt. Weil Nico Gutzeit hinzu kommt, hat Marcel Fritsche vorne jetzt sogar Auswahl. Im Gegensatz zum Kreis will er im Bezirk nur noch mit zwei Spitzen spielen lassen. „Wir haben aber nicht vor, unsere offensive Ausrichtung grundlegend zu ändern“, verspricht er. Der SV Sachsenhagen wolle die Klasse halten, aber nicht den Spaß am Fußball verlieren.

Kurios ist, dass mit dem TSV Hagenburg der direkte Nachbar zwar ebenfalls in die Bezirksliga aufstieg, es wegen der unterschiedlichen Staffelzuordnung aber zu keinem Lokalderby kommt. Die Grenze zwischen Bezirksliga 1 und 4 verläuft geradewegs durch das Gebiet der Samtgemeinde Sachsenhagen. „Für uns war es aber keine Frage, in der Bezirksliga 4 spielen zu wollen, um die interessanten Derbys gegen die hiesigen Mannschaften erleben zu können“, sagt Marcel Fritsche. „Es macht doch mehr Spaß, gegen den FC Stadthagen, den SV Nienstädt oder SC Rinteln zu spielen, statt irgendwo Richtung Syke zu fahren.“

Sachsenhagen hatte im Sommer kaum personelle Schwächungen hinzunehmen. Stefan Kienapfel war in der abgelaufenen Saison fast ständig verletzt und Mohamed Hachem, der zum Nachbarn Hagenburg wechselt, war nur ein Ergänzungsspieler. Eine offene Frage hat der Trainer aber noch zu klären: Wer spielt zukünftig im Tor? Mit Patrick Drews, Dustin Gerland und Neuzugang Dennis Strauß machen sich drei Spieler Hoffnungen, in der Bezirksliga die Nummer eins des SV Sachsenhagen zu sein. Marcel Fritsche lässt sich noch nicht in die Karten schauen und sucht bei der Entscheidung den Rat seines Torwarttrainers Stephan Alms. „Wir werden die richtige Lösung finden“, erklärt Fritsche in einem diplomatischen Deutsch, das vom Bundestrainer stammen könnte.

Quelle: Bressem, Jörg: „SV Sachsenhagen will aus dem Fahrstuhl aussteigen“, unter: http://www.szlz.de/startseite_artikel,-sv-sachsenhagen-will-aus-dem-fahrstuhl-aussteigen-_arid,350843.html (abgerufen am 05.05.2018)

Wir vermissen Dich

Bernd Bosselmann